Schottergärten – ein großes Mißverständnis

Nicht nur die Artenvielfalt der Insekten hat in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen, auch die Anzahl der Individuen ist deutlich zurückgegangen. Insekten sitzen aber an existentiellen Schaltzentralen unseres Ökosystems. Deshalb starten wir dieses Projekt zum Schutz und Erhalt wildlebender Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Käfer und Spinnen.

Sind Schottergärten nicht verboten ?

Ja und Nein. Grundsätzlich möchten viele Gemeinden nicht, dass Vorgärten mit Steinen komplett versiegelt werden und sich dort immer mehr lebensfeindliche Strukturen etablieren. Daher ist in Gemeindesatzungen und Bebauungsplänen oft eine Bepflanzung des Vorgartens vorgeschrieben. Und das ist auch richtig so. Den Vorgarten mit Folie abzudecken und Steine drauf zu kippen zeugt von einem fehlenden Grundverständnis, wofür „Freiflächen“ eigentlich gedacht sind.

Oft ist es nur der Wunsch, die ehemalige Baufläche vor dem Haus mit minimalem Aufwand irgendwie „hübsch“ zu kriegen, oft fehlt es an Idee oder Kraft oder Inspiration. Meist regelt sich das nach ein paar Jahren von selbst. Eintrag von Staub und Samen lässt Bewuchs aufkommen, der zwischen den Steinen kaum zu bändigen ist. Die bisschen Pflanze, die irgendwo eingesetzt ist, kann unter der Dauerhitze im Sommer an dieser Stelle nur kränklich da stehen. „Schön“ ist dann schon anders.

Dagegen sind Stein- und Kiesgärten seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Gartengestaltung. Viele  Gemeinden gehen in Pflanzinseln, Kreisel oder Straßenbegleitgrün dazu über, Erde durch Kies zu ersetzen und eine naturnahe Bepflanzung einzubringen – mit großem Erfolg.

Das ist nicht schön, für mich sieht das aus wie jeder andere Schottergarten ?

Nur auf den ersten Blick, den Unterschied machen die Pflanzen, diese erst machen Gärten attraktiv für Menschen und Tiere.  Trockenheitsverträgliche Stauden sind meist robust und benötigen weniger Pflege. Auch zahlreiche traditionelle Heilpflanzen mögen es sonnig und trocken. Auf nährstoffarmen Böden gedeihen Wildblumen prächtig. Nach der Neupflanzung und im Winter ist natürlich von der Pflanzung noch nicht so viel zu sehen, das wird sich aber in den nächsten Jahren schnell ändern.

Warum die Steinhaufen ?

In den Fugen und Spalten können sich Tiere vor der Sonne oder vor  Fraßfeinden verstecken. Hier leben u.a. viele Spinnen und Käfer und vielleicht gesellt  sich auch bald eine Eidechse hinzu.

Warum ist der Boden mit Kies und Schotter bedeckt?

Kies oder Splitt/Schotter dient hier zur Abdeckung des Bodens. Ebenso wie Rindenmulch, Rindenhumus, Holzhäcksel,  Laub oder Grasschnitt bedeckt und schützt er den Boden vor Verschlämmung oder Austrocknung. Mulch vermindert außerdem die Keimung einfliegender Beiwuchssamen, da diese absterben, bevor sie Bodenkontakt bekommen und keimen können. Im Gegensatz zu organischen Mulchmaterialien enthält mineralischer Mulch jedoch keine Nährstoffe, er verrottet nicht und hält das Nährstoffniveau des Bodens mager. Welches Mulchmaterial für den jeweiligen Standort und die Pflanzenauswahl das geeignetste ist, muss immer wieder neu bedacht werden. Zusätzlich können wir mit Steinschüttungen die oft unschönen Übergänge zwischen der notwendigen wasserabführenden Traufkante am Gebäude und der Bepflanzung fließend herstellen.

Warum bleiben die alten Stämme und Wurzeln liegen ?

Totholz bietet wichtigen Unterschlupf und Lebensraum für viele Insekten. Die typischen „Insektenhotels“ imitieren ja die eigentlichen Lebensräume vieler Insekten, die sich gerne in abgestorbene löchrige Baumstämme ihre Nester bauen. Harthölzer wie Kastanie, Eiche und Robinie lassen sich wunderbar auch zB. als Einfassung verbauen, manchmal werden die Stämme schonmal vorgebohrt, um möglichst viele Bruthöhlen zur Verfügung zu stellen.

Das ist gar keine Erde ?

Nein, wir pflanzen in mageren Boden oder puren Sand, der enthält kaum Nährstoffe, hier finden die trockenheitsliebenden Blühstauden und Kräuter beste Bedingungen. Und zwischendrin soll der Sand auch offen bleiben. In diesen Sandlinsen brüten erdbewohnende Wildbienen, auch Eidechsen legen ihre Eier hier ab, deshalb sind offene Bodenstellen auch besonders wichtig.

Warum bleiben die abgestorbenen Pflanzenteile im Winter stehen ? Das sieht nicht ordentlich aus.

 

In den oft hohlen Stängeln und Blütenköpfen vieler Blumen nisten sich im Herbst Insekten ein, oder überwintern darin im Larvenstadium. Würden wir die trockenen Pflanzenteile abschneiden, wäre dieses Leben verloren. Erst im Frühjahr, wenn die Kraft der Sonne die Erde erwärmt kommen diese Insekten und Larven aus den Winterquartieren und suchen nach Nahrung. Dann können die alten Triebe ab, damit die Pflanze neue Triebe und Blüten treiben kann.

Der Gärtner braucht Geduld, im ersten Jahr sieht eine Bepflanzung immer etwas „trostlos“ aus. Hier entsteht eine fachgerecht geplante, vielfältige Bepflanzung mit biodiversitätsfördernden Elementen als Grundlage für einen insektenfreundlichen  und zugleich pflegeleichten Vorgarten.

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